Coden macht Spass vs. Das Rad nicht neu erfinden oder Kann man Kaffee werfen?
Ich bin leidenschaftlicher Coder, keine Frage, aber ich weiß auch das es sich lohnt, bevor man sich an die Tastatur hängt und anfängt zu coden, intensiv die Suche über Google nach schon fertigen Programmstücken zu investieren. Man erspart sich enorm viel Arbeit wenn man einfach mal nach fertigen Scripten googelt oder in Script-Archiven stöbert. Eine Anfrage in einem Forum der Art “suche Software die dieses und jenes kann” schadet nie, dadurch kann man sich das Wissen vieler zu eigen machen und eventuell auf Anwendungen stoßen, die man vorher noch garnicht kannte (ich glaube so bin ich damals auf WordPress gestoßen).
Ob man eine Anwendung oder ein Script selbst coded oder nicht, wird letztendlich von 3 Punkten entschieden (folgendes bezieht sich auf den Privat-Coder und nicht auf die Arbeit in einer Agentur/Firma). Um die Punkte greifbarer zu machen orientiere ich mich an dem Beispiel “ein Informationsportal zum Thema Kaffee”.
1. Eine Frage der Zeit
Wie schnell muss das Projekt realisiert werden? Möchte ich erstmal einen oder zwei Monate lang an der Software werkeln, bevor ich die Anwendung “mit Inhalt fülle”? Bei unserem Informationsportal zum Thema Kaffee geht es bei weitem nicht um die Anwendung die im Hintergrund arbeitet (eigentlich geht es darum nie), sondern um ein CMS was es mir ermöglicht Informationen/Artikel einfach zu schreiben und zu veröffentlichen. In den zwei Monaten (mindestens!!) die man für die Entwicklung eines eigenen kleinen CMS aufwenden müsste, hätte man schon etliche Artikel erstellen können.
2. Eine Frage des Geldes
ISt überhaupt der notwendige Groschen in der Tasche der nötig ist selbst Hand an den Code zu legen? Als eigenständiger Coder muss man zwar in der Regel niemanden bezahlen, weil man ja alles selbst erledigt, aber der tägliche Kaffee will auch bezahlt werden, demnach ist die Frage des Geldes folgerndermaßen zu formulieren: “Wie schnell muss ich Geld mit meiner Anwendung verdienen”?
Hat man schon einige Projekte am laufen über die man seinen Lebensstil herrlich finanzieren kann, sollte dies ein geringes Problem sein, ansonsten ist auch hier wieder zu fertiger Software zu raten.
3. Eine Frage der Anforderung
Bei unserem “Informationsportal für Kaffee” ist die Frage der Anforderung eher von geringer Natur, ein CMS leistet hier gute Dienste, eine OpenSource Variante ist mehr als ausreichend. Was aber wenn man mal vom redaktionellen Inhalt wegkommt und was neues versucht, etwas wovon es noch keine fertigen Lösungen gibt. Dann muss man zwangsweise selber coden (das hört sich so negativ an) oder man macht Abstriche bei der Funktionalität.
3 Fragen über die es sich lohnt nachzudenken bevor man wie wild in die Tasten haut. Fertige Scripte/Anwendungen können sich wirklich rentieren, auch wenn man dafür mal ein paar Euros auf den Tisch legen muss.
P.S. Normalerweise stehe ich ja nicht so auf diese Stöckchen-Werferei in der Blogsphäre, doch jetzt bin über tryary.ws (btw. endlich mal ne andere TLD als .de oder .com ;) ) auf das Kaffeestöckchen gestoßen und ich muss sagen: ICH WILL AUCH SO EINS ZUGEWORFEN BEKOMMEN!! :)
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- Pingback: The Tryary WS » Kaffeestöckchen on April 14, 2007
2 Kommentare
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Gute Betrachtung der Thematik, denn vor dieser Frage stehe ich auch bei vielen Projekten. Aber vielfach scheinen manche Leute das unbedingt zu wollen…
Beispiel: Ende 2006 bat mich ein Bekannter, Vorsitzender eines Vereines zur Förderung eines juristischen Lehrstuhles an der Uni Marburg, um ein Gegenangebot für die Einrichtung eines Forensystems und Mailingliste für den Verein.
Er schickte mir auch das Angebot des FB Informatik der Uni Marburg mit, die ein komplettes Forensystem und Mailingliste auf Basis eines extra anzuschaffenden W2003 Servers (natürlich zus. den Lizensen) schreiben wollten, insgesamt mit etwas mehr als 200 Mannstunden Entwicklungsarbeit – ohne genaue Zahlen zu nennen – angegeben.
Mein Gegenangebot mit der Implementation eines Forensystems und Mailinigliste auf open source Basis, wobei ich hier noch als weitere Kostenreduktiuon die Einrichtung einer mailingliste über einen Anbieter wie google vorschlug, wurde von Seiten der Uni abgelehnt. Ich hatte hier max. 20 Mannstunden angesetzt – was natürlich erheblich geringer war als der Vorschlag der Uni.
Es ist anzumerken, dass weder spezielle Features noch anderer “Schickimicki” gefordert waren. Nur ein Forum und Mailingliste :D
Ich trauere dem Auftrag nicht hinterher, weil sich mittlerweile aus der Ablehnung andere Aufträge ergeben haben. Erklären kann ich mir das ganze nur, dass irgendein Studi wahrscheinlich dringend ein Thema für eine Diplomarbeit brauchte…
Super Beispiel, danke!!