Verschwimmende Grenze zwischen Inspiration und Plagiatismus
Aus aktuellen Anlass möchte ich mal die Diskusion in den Raum werfen wo für Webdesigner die Grenzen zwischen Inspirationsquelle und stink normaler Abmalerei sind. Ich werde diesen kurzen Artikel anhand eines konkreten Beispieles aufziehen, dass mir in den letzten Tagen ins Auge gesprungen ist. Es handelt sich hierbei um das kürzlich gelaunchte, deutschsprachige Social Network Vicinia und die schon länger aktive Social Lifestyle Community Virb.
Beispiel 1 – Die offensichtlichste Ähnlichkeit, der Footer:

Beispiel 2 – Login Boxen unter dem Header:

Beispiel 3 – Login Buttons, sogar mit fast gleichem Dateinamen

Beispiel 4: h1 Überschrift:

Es gäbe wahrscheinlich noch weitere kleine Details auf Vicia wo sich die Ähnlichkeit zu Virb nicht bestreiten lässt, doch ich will mit diesem Artikel niemanden an die Wand Stellen sondern nur aufzeigen, dass auch in der Kreativbranche gerne in fremden Gewässern gefischt wird. Natürlich ist die Ähnlichkeit der beiden besprochenen Dienste nicht zu gravierend wie seinerzeit studiVZ mit ihrer eingefärbten 1:1 Kopie von Facebook, doch lässt sich deutlich erkennen wo der Designer seine Inspiration fand.
Die Frage, die ich mir nun stelle ist, wo jetzt genau der Plagiatismus anfängt und wie renomierte Designer, die wohl öfters mit dieser Problematik konfrontiert sind, zu dieser Thematik stehen. Das ganze Beispiel ist wohl eine Tendenz, die in der stark pulsierenden Web2.0 Startup Szene in letzter Zeit öfters zu beobachten war. Es werden erfolgreiche Dienst aus Übersee kopiert und gleich mit einem ähnlichem Design versehen um das Look and Feel der ursprünglichen Diensten zu gewährleisten. Man kann sich ja auf keine Experimente einlassen, denn man will ja rasch eine kritische User Anzahl aquirieren und als erfolgreiches, deutschsprachiges Web2.0 Unternehmen gelten.
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15 Kommentare
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Grundsätzlich eine interessante Frage. Die oben genannten Beispiele sind aber massiv an den Haaren herbeigezogen. Der Punkt mit dem Dateinamen besonders. Dass die Buttongrafik nunmal nicht wurstsalat.gif heisst ist ja klar – und eine kombination aus funktion und art (button, btn,…) ist ja auch nichts besonderes.
Über Plagiatismus sollte man diskutieren, dann aber bitte anhand eindeutigerer Fälle ;)
Ich würde in diesem Fall nicht von Plagiatismus sprechen – dafür ist weder die eine noch die andere Website originell genug. Sieht mir beides fast nach Standard-Templates aus.
Hm, also hättest du bessere Beispiele gewählt, wäre das bestimmt eine interessante Diskussion wert. Ich stimme Frank zu: diese Beispiele sind schon recht weit hergeholt. Ich bin übrigens auch der Meinung, dass es immernoch 10mal besser ist, sich von was gutem inspirieren zu lassen, und vielleicht auch Elemente davon zu adaptieren, als es schlecht selbst zu machen. Vergleiche hier beispielsweise mal die großen Nachrichtenseiten in D-Land. Obwohl sie alle extrem gleich aussehen, bin ich froh, dass viele überhaupt den Schritt zu zeitgemäßem Webdesign gemacht haben und nicht aussehen, wie vox.de und co.
ich hab auch dieses beispiel nicht als plagiat bezeichnet, sondern wollte es als beispiel für diese diskrepanz anführen und meinungen dazu hören.
ich denke ihr alle würdet anders darüber denken wenn man von EUREN seiten konzpte übernimmt, die ihr als einzigartige angesehen habt!
Besonders der Footer weist bei beiden eher Ähnlichkeit mit diversen Blog-Footern auf, die schon länger existieren, als beide Projekte.
Ansonsten kann man von Plagiatismus auch nicht weiter reden, denn sowohl die Art des Login-Forms als auch die Überschriften gibt es in der Art in anderen Projekten, die weitaus älter sind.
Abgesehen davon weisen schon die Startseiten der beiden Seiten mehr Unterschiede als Ähnlichkeiten auf. Bei dieser Art der Interpretation sind 95% aller Blog-Themes nur Plagiate irgendeines Themes, das am Anfang mal da war.
Naja, also 2 Rechtecke mit ovalem login button daneben als “einzigartig” zu bezeichnen…
Meiner Meinung nach bedarf es dafür mehr “Besonderheiten” in Form, Plazierung, Farbgebung usw.
Standardformen aus jedem beliebigen Vektor- oder Zeichenprog…
Na ja das ist doch normal hier in Deutschland. Wobei ich die “Inspiration” von Vicinia als noch im Maßen bezeichnen würde. Eine 1:1 Kopie im Sinne Studivz und Facebook ist es noch nicht. Das traurige ist das die VZ Idioten sich ne goldene Nase mit der Abkupferei verdient haben.
Trauriges Deutschland…
Also, den Footer als Beispiel heranzu ziehen war wirklich unglücklich. Denn diese Art der Aufteilung gibt’s auch in etlichen anderen Online-Projekten, die schon weit älter sind als die beiden Netzwerke. Und auch die “Idee” dort Adsense oder ein anders Werbeformat einzubauen ist alles andere als neu.
Darüberhinaus gibt’s die Button in dieser Art in etlichen freien Datenbanken und wenn nicht kann man sie leicht und ohne böse Absicht auch in Vektorprogrammen zusammenschustern. Und die Bezeichnung … naja … ist Halt eine Kombi aus “Button” – btn – und LogIn … und diese ist alles andere als selten.
Sorry, aber das Beispiel ist wirklich nicht gut gewählt. Hätte etliche andere gute gegeben. Z.b. Facebook & StudiVZ oder Twitter & Frazr …
sorry aber in meinem beitrag gehts nicht wirklich unbedingt nur um dieses eine beispiel. ob das beispiel jetzt glücklich gewählt ist oder nicht, sei mal dahin gestellt. mir geht es vor allem um diese Frage:
“wo jetzt genau der Plagiatismus anfängt und wie renommierte Designer, die wohl öfters mit dieser Problematik konfrontiert sind, zu dieser Thematik stehen”
also, wie steht ihr zu diesem thema – oder seht ihr dass alles nicht so eng?
Also ich habe mir beide Seiten mal angesehen, sie sind sehr unterschiedlich. Ähnlich sind vor allem der Rückgriff auf aktuelle Designmoden: Dunkle Hintergründe, Bilder mit abgerundeten Ecken, waagrechte hellgraue Linien, Formularfelder mit grauen Hintergründen und hellgraue Überschriften, ovale Buttons. Ansonsten sind die Seiten deutlich unterschiedlich.
Du verwechselst meiner Meinung nach Plagiat mit Mode. Ein schönes Beispiel sind auch die orangenen Überschriften auf deiner Seite: derartige Überschriften habe ich auf dutzenden von akteullen Seiten gesehen. auch die Kombination von Orange mit hellblau/dunkelblauen Flächen mit abgerundeten Ecken ist gerade im Trend …
Natürlich richten sich Designer nach solchen Moden – müssen sie meines Erachtens auch, weil sich auch die Kunden nach diesen Moden richten und diese sogar erwarten. Wer sich nicht dran hält, muss entweder so gut sein dass er neue Moden kreieren kann, oder er gilt schnell als altbacken.
Gruß
Peter
Wenn du auf renommierte Designer abziehlst wird da meiner Meinung nach auch kein Schuh draus. Klick dich durch die Portfolios und du wirst sehen, dass viele Leute sich prinzipiell selbst kopieren. Klar man kann es als eigenen Style bezeichnen, aber letztenendes greift man bei der Gestaltung von Websites doch auch gerne auf bewährte Elemente/Aufteilung/Kontraste/Fonts etc zurück. Das ist ganz normal. Das wirklich gute und unique entsteht durch die feinen und clevere Details, nicht durch die Aufteilung oder Anordnung von Seitenelementen.
Vorwort: Hab hier mal lieber keine Marken genannt, aufgrund der Abmahngefahr
Interessant fand ich mal eine Klage von der T. (oder war es wer anders? zumindest jemand mit diesem “lilanen T”), bei der jemand die Farbe “lila” (in Wirklichkeit ist es eine andere Farbe, nur mir fällt gerade der Name nicht ein) verwendet hatte als Seitendesign, und dagegen wurde dann geklagt. Nur als Hinweis das man selbst mit sowas sich gut verbrennen kann.
Also ich war jetzt ein wenig ueberrascht diesen Artikel hier zu lesen.
Vor einer Woche war unter der Domain vicinia.de noch ein “wir-sind-bald-online-Screen” zu sehen, mit der Moeglichkeit seine Emailadresse zu hinterlassen, um benachrichtigt zu werden, wenn es losgeht. Ein paar Emails meiner Freunde haben mich darauf aufmerksam gemacht, da sie dachten, dass dieser Screen dem meinigen auf globalzoo.de seeeehr aehnliche saehe. (zumindest mal gewisse Elemente davon)
Ich habe letzte Woche dann auch mal eine Email an Silab von Vicinia geschickt und ihn gefragt, wo er die Inspiration fuer seinen “Temporary Screen” gefunden hatte. Er gab zu, dass er die Sachen von globalzoo.de “uebernommen” hatte.
Es hat mich jetzt nicht tierisch aufgeregt, da es nur ein vorruebergehendes Aushaengeschild ist, andererseits haette ich ordentlich gemekkert. Ich moechte Silab, der diesen Blogeintrag wohl auch schon gesehen hat, auch nicht an die Wand stellen, aber ich war gerade DOPPELT verbluefft, als der Name vicinia zusammen mit Plagiatismus auftauchte.
Ich habe sicher auch schon einige Elemente aus anderen Websites “abgeschaut” – halt als Inspirationsquelle. Schade, dass Leute nicht wirklich kreativ werden, wenn es darum geht gerade ein solche grosses Projekt aufzuziehen. :-(((
Ein bekanntes Beispiel ist ja der Fake den die Designer von StudiVZ mit dem Original Facebook gemacht haben. Das ist ja der klassische Fall von Plagiat und Kopie gewesen.
Auf Blogderbumi heists dazu “Krass finde ich wie genau die Kopie ist… Es wurde vieles 1zu1 übernommen. Design, Format, Funktion, Bilder, usw. sogar der Stylesheet von StudiVZ heißt “myfb†… “myFaceBookâ€â€¦
Anfang Januar habe ich schon mal über das StudiVerzeichnis gebloggt u. genau dies angemerkt. Damals kommentierte ein Dennis:
“Keine Sorge, es kommen noch eine Menge schöner neuer Features die wirklich nützlich sind. Man darf also gespannt sein… Auch beruhigt, denn wir haben ein paar tolle Sachen in Entwicklung, die wirklich innovativ sind und die es bisher noch auf keiner Social Networking Site gibt.†Bisher hat sich zwar bei StudiVZ viel getan, aber eigene Ideen hat die Seite immernoch nicht. Weder Design, noch Funktionen. Letztens viel mir wieder auf dass man mit ein paar Änderungen am Stylesheet StudiVZ super simple ins original Facebook blau packen kann.”
Gut zu diesem Thema passt ja auch das Buch “Das Google-Copy-Paste-Syndrom” von Stefan Weber – oder “Wie Netzplagiate Ausbildung und Wissen gefährden”
Wenn rund dreißig Prozent der Studierenden bei Umfragen zugeben, dass sie Textklau aus dem Internet betreiben, dann läuft etwas aus dem Ruder. Die gegenwärtig grassierende Copy-Paste-Mentalität bedroht die gesamte wissenschaftliche Textkultur. Ein grundlegender Wandel der Kulturtechnik zeichnet sich ab: von der eigenen Idee und der eigenen Formulierung hin zur “Umgehung des Hirns” und zur Textbearbeitung bereits vorhandener Segmente im Web.
“Das Google-Copy-Paste-Syndrom” ist das erste deutschsprachige Sachbuch, das sich dem Kopieren-und-Einsetzen-Phänomen sowie den Folgen des Google-Wikipedia-Wissensmonopols widmet. Der Autor beobachtet kritisch die Ergoogelung der Wirklichkeit und die fortschreitende Austreibung des Geistes aus der Textproduktion. Er fragt, wie die Medienwissenschaft auf dieses Problem – wenn überhaupt – reagiert.
Netzplagiate gefährden Ausbildung und Wissen. Cyber-Neusprech oder “Weblisch”, Chat- und SMS-kontaminiertes Bewusstsein, affirmative Bagatelle-Forschung, Technophilie und Bullshit-PR für neue Medien schaffen zudem ein Milieu, in dem eine Kritik des Internets und seiner Verwendung systematisch ausgeblendet wird.
Dieses Buch richtet sich nicht nur an Lehrende in Schulen und Universitäten, die sich mit diesem neuen Problem konfrontiert sehen. Es ist so geschrieben, dass es auch für ein breites Publikum, das die neuen Medien verwendet, eine kritische Lektüre bietet.