Die 5 Weisheiten für eine erfolgreiche Webanwendung
Um eine wirklich erfolgreiche Webanwendung zu entwickeln, die viele Besucher anzieht und die man früher oder später für 6 Milliarden an Microsoft verkaufen kann, reicht es nicht einfach nur aus gut coden, designen oder das Wort streuen zu können. Das wichtigste für eine erfolgreiche Website sind die folgenden 5 Punkten:
- Unique
- Timing
- Keep it simple, stupid
- Nutzen
- Masse statt Klasse
Unique ODER das kenn ich doch schon
Ob man Artikel schreibt wie der Bildblogger oder eine Anwendung schafft wie MyMuesli.de, ein Schritt zum Erfolg ist der Novitätsgrad. Eine Anwendung die es schon X-Mal gibt (siehe dazu: Bitte, bitte, bitte, denkt euch doch mal was eigenes aus!) oder ein Blog der über Themen schreibt, über die alle berichten, wird nicht erfolgreich sein. Wer als Erster ein Problem löst, egal in welchem Bereich, wird in der Regel auch am meisten vom Kuchen abbekommen. Natürlich wird eine gute Idee kopiert, aber der Erste ist meist derjenige, der am meisten profitiert.
Kopieren funktioniert
Nun muss man aber nicht unbedingt der Erste weltweit sein, es reicht aus ein gutes Konzept aus einem anderen Land in die eigene Sprachregion zu importieren. So geschehen unter anderem bei Mister-Wong. Das Konzept des Social Bookmarking konnte sich in Amerika gekonnt durchsetzen, gut gesehen an Del.icio.us, nun war es nur eine Frage der Zeit bis dieses Konzept auch bei uns Fuß fasst. Interessant an diesem Ideenimport, gerade wenn er aus deutschem Hause stammt, ist der Drang in andere Sprachregionen. Mister-Wong und StudiVZ versuchen ihr funktionierendes Konzept auch in anderen Ländern umzusetzen und genau das ist auch richtig. Wenn der Amerikaner zu ignorant ist den Markt anderer Länder zu würdigen, darf man sich später nicht mehr wundern wenn Europa gesättigt ist.
Timing ODER wie die Beatles die Welt eroberten
Warum waren die Beatles so erfolgreich? Lag es an der Musik? Lag es am Charisma der Band? Lag es am Management und dem Marketing? Sicherlich trägt alles davon dazu bei, aber ein weiterer Grund warum diese Band so erfolgreich war, erfolgreicher als alle anderen Bands danach, war ihr Timing. Ihre Musik kam zum richtigen Zeitpunkt, als das Volk nach etwas neuem gesucht hat. Heutige Bands könnten die gleiche Art von Musik machen, das gleiche Charisma vermitteln, aber der Erfolg wäre nicht der gleiche.
Timing ist auch wichtig bei einer Webanwendung. Manche Webanwendungen sind ihrer Zeit voraus, im besonderen Blicke ich da auf diese ganzen Web 2.0 Monsterprojekte, die den Desktop ins Internet verlegen wollen. Noch ist die Zeit dafür nicht reif.
Wären Blogs 1996 erfolgreich gewesen, in Zeiten in denen eine Internetleitung noch teuer war und der Begriff Flatrate noch nicht gebildet?
Timing ist von diesen 5 Punkten die kritischste Variable, denn es ist sehr schwer abzuschätzen ob die Zeit für eine Anwendung gekommen ist, ohne dies vorher im praktischen zu testen. Daher rate ich jedem die Variable “Timing” beim entwickeln neuer Anwendung im Hinterkopf zu behalten, ohne sich zu stark den Kopf darüber zu brechen.
Keep it simple stupid
Der gängige Internetnutzer mag es einfach und kommt mit komplexen Navigationen nicht zurecht. Das wäre auch kein Problem wenn nicht die Entwickler von Webanwendungen selbst die größten Nerds wären. Wir können es halt einfach nicht verstehen wenn einer nicht die Tastenkombination “STRG + F” für die Browsersuche kennt oder das man nunmal bei Frage einfach auf “Kontakt” geht und dem Webmaster schnell ne Mail zukommen läßt. Was soll man da machen? Resignieren und nur Geeks auf seine Seite ziehen? Eine bessere Lösung sind Usabilitytests. Wenn man selbst schon nicht in der Lage ist zu entscheiden ob ein Feature wirklich Sinn macht oder eher den Benutzer von der Seite jagt, dann holt man sich halt einfach mal die Freunde aus dem Bekanntenkreis. Der Input dieser Tester ist Gold wert und mit der Zeit versteht man auch was der normale Nutzer gern hat und was ihn eher abschreckt.
2 Fragen
2 Fragen die ich mir eigentlich laufen beim Entwicklungsprozeß stelle sind:
- will der Nutzer das?
- warum will ich das?
Oftmals werden Features entwickelt, die gut aussehen, neu sind oder die wir einfach für unverzichtbar halten. Mag sein das sie neu sind und gut aussehen, aber unverzichtbar? Jedes neue Feature ist wieder ein Element mehr mit dem sich der neue Benutzer herumschlagen muss. “Neuer Benutzer” ist der Benutzer, der die Webanwendung zum ersten mal erforscht. “Erfahrene Nutzer”, also Benutzer die schon registriert sind und die Seite häufiger frequentieren, freue sich in der Regel über neue Funktionalität. Diese erfahrenen Nutzer haben die Webanwendung schon erforscht, kennen die Bedeutung der Buttons und haben in der Regel die Grenzen ausgeschöpft. Neue Funktionalität kann hier die Community stärker an die Webanwendung binden.
Daher empfehle ich: Erstmal nur die absolut nötige Grundfunktionalität implementieren. Die Grundfunktionalität beinhaltet die Features die nötig sind, um das Problem des Nutzers zu lösen. Danach können weitere Features eingebaut werden, diese sollten aber durch ein geschicktes Interface dem neuen Benutzer verborgen bleiben.
Keep it simple – Inspirationen:
Nutzen ODER NAWA (Not another Web2.0 Application)
Eine starke Webanwendung bringt seinen Benutzern einen Nutzen und befriedigt einen oder mehrere Bedürfnisse, hier mal einige Beispiele:
- Google – Informationssuche
- StudiVZ – Kommunikation mit Freunden und Studenten
- Digg.com – Lesen der interessantesten Nachrichten im Netz, Eingrenzung der Informationsflut
- Break.com – Entspannung, Unterhaltung
Ebay– Produkt günstig kaufen, Produkte verkaufen
- Ciao.com – Meinungen “echter” Nutzer über ein Produkt einholen
- Idealo.de – Den günstigsten Preis für ein Produkt finden
Wer eine Webanwendung entwickelt, muss auch ein Problem lösen. Im besten Fall ist dies ein wiederkehrendes Problem (Suche nach Informationen), denn dadurch baut man sich einen Nutzerstamm auf. Kurze Runs, wie auf der Website “Sven’s WM Wette” bringen zwar auch Traffic, aber da kann man eigentlich nicht von erfolgreicher Webanwendung sprechen. Ein Ziel sollte sein ein wiederkehrendes Problem seiner Nutzer zu lösen.
Die Motivationen der Benutzer
- Neugier
- Leistung
- Kontakt
- Macht
- Sicherheit
- Helfen
- Hilfe erhalten
- Bequemlichkeit
- Ordnung
- Unterhaltung
- Gewinn
- Prestige
- Sex
- Emotion
- Rückzug
- Autonomie
(Quelle: Missing Links von Thomas Wirth, S. 221)
Umso besser man einer der oben angegebenen Motivationen erfüllt, desto eher wird einem der Erfolg beschert. Ob hier eher die Diversifikation zieht, also soviele Motivationen wie möglich erfüllen, oder doch eher ein EKS-Ansatz, also nur eine Motivation dafür umso intensiver erfüllen, lasse ich jeden selbst entscheiden.
Masse statt Klasse ODER besser alles nehmen als niemanden haben
Ein weiteres Grundprinzip ist, umso mehr Interessenten, desto mehr Besucher. Umso globaler das Bedürfnis der Benutzer, welches die Webanwendung befriedigt, desto mehr Besucher. Nun ist diese Konstante zwar richtig, siehe Spiegel.de für Nachrichten, MSN.com für Email oder Wikipedia.org für inhaltlich korrekte Informationen, aber man darf auch nicht den Wert der Nutzer aus den Augen verlieren. Bei Bezahlanwendungen kann eine kleinere Zielgruppe dennoch mehr Profit abwerfen, als eine sehr große Zielgruppe bei einer kostenlosen, durch Werbung-finanzierte Website. Eine große Zielgruppe ist in der Regel dennoch vorzuziehen.
Wie die Faktoren zusammenspielen
Es ist nicht nötig alle 5 Faktoren einzubringen, ausreichend sind meist 3 oder 4 um eine erfolgreiche Webanwendung zu erhalten. Eine Mindestanzahl von 2 erfüllten Faktoren ist allerdings Grundvoraussetzung. Beispiel: Suchmaschinen. Die ersten Suchmaschinen erfüllten das Bedürfnis Informationen schnell zu finden (Häkchen bei Nutzen). Unique waren sie nicht, da es viele von ihnen gab. Das Timing war aufgrund der mangelnden Einzigartigkeit auch nicht mehr da und einfach zu bedienen waren sie nur eingeschränkt, meist musste man zwischen all der Werbung das Suchfeld finden. Aber dafür gab es einen großen Nutzerstamm, die Masse war vorhanden. Einige Jahre später, der Markt ist eigentlich schon gesättigt, kommt Google daher. Unique (Nein), Nutzen (Ja), Timing (Nein), Masse (Ja), Keep it Simple (JaJaJa). Damit erfüllte Google ein Kriterium mehr als die anderen (nicht zu vergessen der verbesserte Algorithmus und dadurch der verbesserte Nutzen).
Am Beispiel von Google sieht man auch:
Man muss nicht immer der erste sein, man muss nur besser sein als der Erste.
(Kennt jemand eine Webanwendung die nur einen Faktor erfüllt?)
Die perfekte Webanwendung
Die perfekte Webanwendung nach oben genannten Punkten:
- Gibt es noch nicht auf dem Markt auch nicht in einer ähnlichen Form und die Idee ist komplett neu.
- Erscheint gerade dann wenn das Bedürfnis und der Drang nach diesem Produkt am größten ist.
- Ist so einfach zu bedienen, dass selbst jemand, der vorher noch nie im Internet war, die Website direkt und ohne Hindernisse bedienen kann
- Die Webanwendung löst ein Problem was jeder Mensch auf der Welt mindestens einmal am Tag hat. Zudem bringt die Webanwendung dem Benutzer Unterhaltung, Gewinn, Information, Sicherheit, Macht,… (siehe oben “Die Motivationen der Benutzer”)
Ist das alles? Man hält sich an diese 5 Weisheiten und stampft eine Webanwendung aus dem Boden? Erstmal ist zu erwähnen, dass es unglaublich schwer ist ein Problem zu finden, was viele Menschen haben und was bislang noch nicht gelöst wurde. Aber auch wenn man alles erfüllt, kann immernoch eine Variable zuschlagen die man nicht berücksichtigen kann: Glück.
Viele erfolgreiche Menschen streuben sich so etwas wie “Glück” als Variable zu akzeptieren, Glück ist unberechenbar und auch bei harter Arbeit und guter Planung kann mangelndes Glück zum scheitern führen. Meine persönliche Meinung ist, dass das Glück eine tragende Variable bei einer Webanwendung ist und das dadurch selbst Webanwendungen, die alle 5 Punkte erfüllen, scheitern können. Andererseits können durch Glück kleine Hobbyprojekte zu wahren Goldeseln werden.
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8 Kommentare
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Sehr schöner Artikel mit vielen Wahrheiten. Einzig das Ver-d-englischte in den Überschriften ist ein (ganz) kleiner Makel. Entweder von Punkt 1-5 durchziehen oder ganz deutsch ;-)
interessanter Artikel. Jedoch denke ich, dass man durchaus ein Augenmerk auf Anwendungen legen sollte, deren Bedarf noch gar nicht existiert oder zumindest schwer vorstellbar ist.
So stellt das Web einen derartig radikalen Paradigmenwechsel zu bisherigen Interaktions- und Kommunikationswegen dar, dass viele derzeitige Webapplikationen wie z.B. facebook, twitter, flickr, etc. vor einigen Jahren als völlig bedarfsfrei abgetan worden wären. Ihr Nutzen sich jedoch erst im Verlauf ihrer Verwendung aufgetan hat.
Naja, entweder einzigartig oder kopieren mit einer besseren Suchmaschinenoptimierung und somit einfach die Besucher “klauen”…
Sehr guter Artikel! Das Problem ist nur: Man kann eine supergeile Website haben, die alle 5 Faktoren erfüllt. Nur was bringts, wenn sie dann niemand kennt? Speziell wenn kein oder nur wenig Geld dahinter steckt, wie soll man sie bewerben? Allein durch eine Aufnahme in Google (was darüber hinaus auch einige Zeit dauert) wird man mit einer Seite nicht groß, Werbung kann man sich nicht leisten und Mund-zu-Mund-Propaganda ist halt schwer, denn sooo viele Leute kennt man dann auch nicht. Also was tun?
Mir gings vor etwa 3 Jahren mit meiner Site ähnlich (http://userrankings.com). Meines Wissens wars damals die erste deutschsprachige Seite, die sich einzig und alleine den User-Bewertungen und Reviews von Konsolen-Spielen widmete. Mittlerweile hat das jede andere Games-Site, nur halt nicht in dieser Perfektion.
Klar, wir haben Unterstützung der Hersteller, nur der kommerzielle Erfolg blieb trotz “Werbung” in anderen Foren, guter Google-Platzierung, Kooperationen und kontinuierlicher Optimierung der Features verwährt. Wir haben zwar eine solide Userbasis, nur ist es halt nach wie vor ein reines Spaß-Projekt.
So einfach ist es also leider bei weitem nicht!
Sehr interessanter Artikel.
Nur wie mein vorredner schon beschrieben hat ist es tatsächlich nicht einfach alle Kriterien die oben gennant wurden einzuhalten.
Hier muss eben jeder Webmaster selbst wissen was ihm wichtiger ist.
Ein wirklich sehr guter Artikel.
Gruss
Lance
Super Aritikel, aber was ist mit kleinen, informativen Webseiten. Verhalten sich zB Pages von Supermarkt xy genauso oder müssen diese ebenfalls die 5 Kriterien erfüllen, um erfolgreich zu sein? Ist je eigentlich keine Web 2.0 Anwendung, wenn man es nicht erzwingt, aber trotzdem ist hier doch auch sowohl Nutzen als auch Übersichtlichkeit vorhanden sein.
Super Beitrag, sollten sich so manche Webdesigner hinter die Ohren schreiben ;)
Florian
Nein, an die 5 Weisheiten halten muss sich natürlich niemand, im Prinzip ging es mir darum, wie man Webanwendungen entwickeln muss, damit sie richtig richtig erfolgreich werden. Blogs, bzw. Content und Informationsportale spielen da nach anderen Regeln.