Webdesignprozess mit Iterationen
Oh, mit Grauen erinnere ich mich an Websites die ich noch vor garnicht allzulanger Zeit entwickelt habe – was mich am meisten erschüttert ist die Herangehensweise. Ich vermute das Anfänger die selben oder zumindest ähnliche Fehler machen wie ich:
- Alles muss aufeinmal fertig sein – Zugegeben, kleine Projekte brauchen auch nicht viel Zeit und können in einem Rutsch erledigt werden, aber selbst Ein-Mann-Projekte können manchmal Größe aufweisen. Der Druck, alles aufeinmal fertig zu haben, ist kein produktiver Druck.
- In der Endphase wird man zum nervösen Wrack – Verständlich, man will sein Projekt unter die Leute bringen, Feedback einholen und Lob einheimsen, da sollte die Website auch zu einem Ende kommen. Leider dient die Nervösität nicht der Qualität des Projekts, Restarbeiten werden schnell und unsauber beendet (but god is in the details).
- Nutzen, Nutzen, Nutzen! – Klar, Nutzen steht an vorderster Stelle und sollte das Hauptaugenmerk beim Webdesignprozess sein, aber vielleicht ist das auch nur so deutlich wenn man Webdesign schon etwas länger betreibt. Ich bin mir fast schon sicher, und für mich als Beweis muss ich nur meine alten Website-Projekte betrachten, um zu wissen, dass ich mich damals schier nicht um Nutzen gekümmert habe (naja, HTML war ja auch soooo spannend)
Gut, 3 markante Fehler die der ein oder andere sicher auch schon bei sich selbst wiederentdeckt hat, doch kann man sie vermeiden, alle auf einen Schlag? Ja, kann man und die Lösung ist schockierend einfach: Anstelle eines gewöhnlichen Webdesign-Prozesses, bedient man sich der Möglichkeit, den Webdesign-Prozess in mehrere Iteration zu durchlaufen. Hä? Was heißt das denn jetzt?
Webdesign-Iteration
Jetzt kommt keine fachliche Erklärung (ich nehme mir nicht mal das Recht, richtig zu liegen), aber es kommt ja auf den Nutzen an, den Sie daraus ziehen können.
Bilden Sie Etappen für ihr Webdesign-Projekt, wobei aber in jeder Etappe ein funktionierendes Modell zur Verfügung steht, welches auch schon online zu betrachten ist:
- In der ersten Etappe wird ein grobes Gerüst aufgestellt, die Funktion steht im Vordergrund, die Benutzbarkeit ist in dieser Etappe vollkommen aussen vor. Es geht darum etwas greifbares zu haben, ich verzichte an dieser Stelle bewußt auf Layout und Usability, einfach weil diese Phase sehr gut für Ergänzungen offen ist.
Dies ist die erste Iteration und zugleich die, die alle meine schlechten Angewohnheiten beim Webdesign aus der Welt schafft, schliesslich habe ich ein funktionierendes Modell, welches Online verfügbar ist und nur aus Nutzen besteht. Was bleibt übrig wenn man Farben und Struktur einer Website wegläßt? Der Nutzen für den Besucher. Sollten Sie also nach der ersten Iteration merken das Ihre Website sehr dünn ist, sollten Sie sich Gedanken über den größeren Nutzen ihrer Website machen. Was Sie nach der ersten Iteration sehen, sind die Gründe warum der Besucher Ihre Website besucht, so deutlich wird das nie wieder sichtbar sein.
- Nun gehe ich über zur 2. Iteration – das Modell wird ergänzt. Was hat nach der ersten Iteration gefehlt? Was muss weg, was noch hinzu, all dies kann hier stattfinden. Funktionalität rein oder raus, andere Fragen gibt es hier nicht, da Elemente wie Layout oder Struktur noch keine Bedeutung haben. Die 3., 4. oder 5. Iteration können ebenfalls so ablaufen, Elemente werden noch hinzugefügt, angepasst, ergänzt. Doch bevor man weitergeht muss dieser Prozess abgeschlossen sein und ab dann gilt absoluter
- Ideen-Stopp
- Iteration Nummer 6 (kann natürlich auch schon früher sein): Wissen Sie wie erleichternd es ist, wenn man weiß das sich ab hier nichts mehr im Funktionsumfang ändert? Man kann die Elemente nach Sinn und Nutzen platzieren ohne Angst haben zu müssen, dass noch neue hinzukommen. Gruppierungen lassen sich leicht finden und selbst der Part der Navigationshierarchie bereitet einem nicht mehr soviel Kopfzerbrechen wie vorher. Ich könnte nun noch weitere Iterationen aufzählen (für Layout und Struktur), aber das Prinzip sollte nun bekannt sein.
– man muss auch mal zum Ende kommen, das ist dann wie ein Redaktionsschluss, ist dieser erreicht gehört gerade für ein Ein-Mann-Projekt viel Disziplin zur Einhaltung dieser Regel dazu.
Kurz zusammengefasst: Jede Iteration (auch die erste) weist ein funktionierendes Modell auf. Zuerst kommt Nutzen und Funktion, viel später erst Struktur und Layout. Jede Iteration baut auf einer vorhergehenden auf (Ausnahme ist die 1. Iteration) und nach jeder Iteration verbessert sich das Projekt.
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2 Kommentare
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An dieser Stelle, neben einem allgemeinem Lob für die meist sehr hilfreichen Artikel, Dank für diesen speziellen Beitrag. Der kam gerade im richtigen Moment durch meinen Ticker :).
Immer wieder gerne ;)